LV 875.326
2-achsig gespannte Platte
Blatt 04
Czerny · Drill

Zwei Richtungen tragen, sobald das Seitenverhältnis und die Lagerung das hergeben. Schnittgrößen kommen aus den Czerny-Tafeln — die Kunst ist die Lastumordnung, nicht das Ablesen der Zahl.

Was die Czerny-Tafel voraussetzt

Folie: Momente m = qd lx² / Tafelwert, Querkräfte qd lx / Tafelwert, immer bezogen auf lx
Übung 02, Folie 11. ly ist immer die längere Seite. Auch my wird mit lx gerechnet, nicht mit ly.

m = qd · lx² / kTafel
v = qd · lx / kTafel
ly ≥ lx, Ecken gegen Abheben gesichert, Drillsteif

Welcher Kasten, welcher Rand? Schritt für Schritt, mit interaktivem Finder, Quiz und den Fällen aus den Altprüfungen: Czerny-Tafel wählen →

Lagerungsfälle V1–V6

In der Tafel ist der eingespannte Rand schraffiert, der gelenkige Rand eine Linie. Du suchst den Kasten, der zu deiner Platte passt, dann die Zeile ly/lx.

V1 · alle gelenkig Feldmoment, antimetrischer Anteil
V2 · ein Rand fest Nachbarfeld schließt an · Stütze
V3 · zwei gegenüber Streifen zwischen zwei Wänden
V4 · zwei benachbart Eckfeld
V5 · drei Ränder fest nur ein gelenkiger Rand
V6 · alle fest Innenfeld, allseits Nachbarn
Übersicht Czerny-Tafeln Gleichlast Lagerungsfälle V1 bis V6
Übung 02, Folie 12. In der Prüfung liegt die Zahlentafel in deinen Unterlagen — hier die Landkarte, welcher Kasten gemeint ist.

System

  • Typisch: ly / lx ≤ 2, Lagerung an mindestens drei Rändern.
  • lx = kürzere Spannweite (Haupttragrichtung, äußere Bewehrungslage).
  • Rand: gelenkig und gegen Abheben gesichert, oder eingespannt (Wand, Nachbarfeld).
  • Mittelauflager einer zweifeldigen Platte oft wie Durchlaufträger-Stütze.

Lastumordnung nach Czerny

Die Nutzlast wird in einen symmetrischen und einen antimetrischen Anteil zerlegt. Eigengewicht steht immer auf beiden Feldern.

q′ = gd + qd/2   (symmetrisch)
q″ = ± qd/2   (antimetrisch)

Lastumordnung: Nutzlast auf einem Feld gleich symmetrisch q/2 auf beiden plus antimetrisch plus/minus q/2
Maximales Feldmoment: Verkehr nur auf dem betrachteten Feld. Das ist q auf einem Feld = q/2 überall plus ±q/2 (antimetrisch).
Symmetrischer Anteil entspricht einseitig eingespannter Platte, antimetrischer Anteil allseitig gelenkig
Der symmetrische Anteil sieht eine Einspannung am Nachbarfeld (V2). Der antimetrische Anteil sieht vier gelenkige Ränder (V1). Zwei Tafelzeilen, dann addieren.

Maximales Feldmoment

Nachbarfeld möglichst nicht mit Nutzlast. Lagerungsfälle:

  • q′: Einspannung, wo ein Nachbarfeld anschließt.
  • q″: alle Ränder frei drehbar.

Maximales (betragsgrößtes) Stützmoment

Beide Felder belastet (Eigengewicht + Nutzlast).

  • q′: Einspannung am Nachbarfeld.
  • q″: Einspannung nur an der Stelle, an der das Stützmoment gesucht ist.

Tafelwert k zur Lagerung und zu ly/lx m = q · lx² / k

k kommt aus deiner Czerny-Tafel. Zwischen ly/lx linear interpolieren. Stützmoment an der Wandbreite ausrunden, wenn die Angabe das verlangt.

Zwei Bilder aus der Übung, damit du siehst, wo auf der Tafelplatte welcher k-Wert sitzt. Die Zahlen gelten für das Tafelbild (nicht jedes ly/lx) — in der Prüfung die Zeile zu deinem Verhältnis nehmen.

Czerny-Tafelbild einseitig eingespannt: Stützmoment mx,erm = p lx²/9, Feld mxm = p lx²/19,8
V2, Stütz- und Feldmomente. Stütze links ≈ p·lx²/9.
Czerny-Tafelbild allseitig gelenkig: Feldmoment mxm = p lx²/13,7
V1, Feldmomente. Quadratisches Bild: mxm ≈ p·lx²/13,7.
Bild (Übung) Ort k in m = p lx² / k
V2 einseitig festStützmoment mx,erm9
V2 einseitig festFeld mxm19,8
V2 einseitig festFeld my,max55,6
V1 alle gelenkigFeld mxm13,7
V1 alle gelenkigFeld mym35,7
V1 alle gelenkigDrill mxye16,3
Das ist ein Auszug zum Lesen lernen. Deine Prüfungstafel hat mehr ly/lx-Spalten. k nicht auswendig als „immer 13,7“ verwenden.
Überlagerung Schnee + Nutzlast auf einer Dachterrasse oft unzulässig — Angabe lesen. Nutzlast feldweise ungünstig, Schnee auf dem Dach meist konstant.

Bemessung je Richtung

Wie bei der 1-achsigen Platte, aber dx und dy unterscheiden sich um einen Stabdurchmesser. Maßgebend ist die Richtung mit dem kleineren d, wenn die Bewehrung gleich gewählt wird. 20 %-Regel gilt in beiden Richtungen: die schwächere Richtung bekommt mindestens 20 % der stärkeren.

Querkraft nur an der Stelle der größten Querkraft. Ist dort keine Schubbewehrung nötig, ist der Nachweis für die Platte erledigt.

Drillbewehrung und Ränder

  • Drillmomente drehen zu den Plattenrändern. Bei frei drehbaren Ecken mit gesichertem Abheben: Drillbewehrung oben und unten, je etwa 0,75·mxy (bzw. 50/50 der Drillbewehrung), Verankerung um die Ecke.
  • Mindestens so viel wie 1/16 der unteren Netzbewehrung, wenn das Skript das so führt.
  • Freie Ränder (Balkon): Schlaufen, Abstand 15 + h/10 cm, oft 2 Längseisen Ø12.
  • Teilweise Einspannung, die in der Rechnung nicht steckt: obere Bewehrung ≥ 25 % des Maximalmoments des Nachbarfeldes, Länge ≥ 0,2·Feldweite, über Zwischenauflager durchlaufen.
  • Endauflager: Moment darf auf 15–25 % des Maximalmoments des angrenzenden Feldes nicht unterschritten werden (konstruktiv).

Öffnungen

  • Klein (< 25/35 cm): keine Zulagen.
  • Öffnung < 0,2·lx: die auf die Öffnung entfallende Bewehrung danebenlegen, plus konstruktive Zulagen. Runde Öffnungen: Querzulagen.
Beispiel — zweifeldige Terrasse 6,0 × 12,0 m

Wie Kindergarten-Prüfung: zwei Felder 6 × 6 m, h = 20 cm, C35/45, g2 = 2,5 kN/m², qk = 5,0 kN/m². Außenränder gelenkig, Mitte auf Scheibe. Schnee vernachlässigt, Nutzlast feldweise.

g1 = 25 · 0,20 = 5,00 kN/m²   gges = 7,50 kN/m²

qsd = 1,35 · 7,50 + 1,50 · 5,00 = 10,13 + 7,50 = 17,63 kN/m²

gd = 1,35 · 7,50 = 10,13 kN/m²   qd = 7,50 kN/m²

q′ = 10,13 + 3,75 = 13,88 kN/m²   q″ = ± 3,75 kN/m²

Pro gesuchtem Moment: Tafelzeile zur Lagerung wählen, k zu ly/lx = 1,0 ablesen, m = q·l²/k, Anteile q′ und q″ addieren.

Dann je Richtung: d → μ → ω → as, Mindestbewehrung, Querkraft am Mittelauflager (größte V). Last auf die Scheibe: vereinfacht gleichförmig entlang der Lagerlinie (sicher), obwohl die 2-achsige Abtragung trapezförmig wäre.

Ohne Czerny-Tafel keine Zahlen für m — in der Prüfung die Tafel aufschlagen, Lagerungsfall skizzieren, k hinschreiben.